ioi97@kornmueller.info
Internationale Informatikolympiade
30.11. - 7.12.1997 in Kapstadt, Südafrika
v.l.n.r.: Wolfgang Thaller, Michael Surböck, Peter Holy, David Kornmüller

Bericht der 4 Olympioniken (verfasst von Wolfgang Thaller):

Im Herbst 1997 trafen sich die vier Mitglieder der österreichischen Delegation für die internationale Informatikolympiade, Peter Holy aus Mödling, David Kornmüller aus Amstetten, Michael Surböck aus Hollabrunn und ich, Wolfgang Thaller (7b), im sonnigen Purkersdorf in der Nähe von Wien. Wir kannten uns schon vom vorangegangenen österreichischen Ausscheidungswettbewerb in Hollabrunn, wo wir uns gegen die anderen Bewerber durchgesetzt hatten. In Purkersdorf verbrachten wir jetzt eine Woche mit intensiven Training. Das äußerte sich weniger in Bildschirmarbeit als darin, dass wir uns immer wieder auf eine Bank in der Sonne setzten, um dort Informatik-Probleme gemeinsam durchzudiskutieren. Die Woche verging wie im Flug, und nachdem wir für zwei Monate in unsere jeweiligen Schulen zurückgekehrt waren, war es endlich so weit: Am 28. November 1997 bestiegen wir im kalten Wien ein Flugzeug und fanden uns nach einer Zwischenlandung in London und einem elfstündigen Flug im sonnigen und warmen Kapstadt wieder, wo wir unsere Quartiere am Campus der University of Cape Town bezogen.

Nachdem wir die ersten drei Tage zur Akklimatisierung und zum Knüpfen internationaler Kontakte - von A wie Argentinien bis Z wie Zypern - genutzt hatten, fand am Dienstag der erste von zwei Teilen des Wettbewerbs statt. Drei Aufgaben, vom Scientific Comitee des Gastgeberlandes erdacht und von unseren Teamleaders Mag. Wolfgang Stormer und Dr. Karl Fuchs in einer schlaflosen Nacht ins Deutsche übersetzt, machten uns fünf Stunden lang das Leben schwer. Unter strengster Aufsicht und Bewachung saßen 229 Schüler aus 61 Ländern vor ihren "Kastln" und versuchten, ihre Programme zum Laufen zu bringen. Am Nachmittag kam dann das lange Warten auf die Ergebnisse: Die Teilnehmer wurden einzeln wieder an ihre Computer gerufen, wo dann jedes Programm mit fünf verschiedenen Eingabedaten getestet wurde - erst am Ende dieser Prozedur erschien die erreichte Punktezahl, in meinem Fall 203 von 300, auf dem Bildschirm. Dann erhob sich die Frage, wie die Teilnehmer anderer Nationen abgeschlossen hatten - jeder wusste nur die eigene Punktezahl. Besonders begehrt waren Informationen über die Punktezahlen der Chinesen und Russen, die jedes Jahr zu den Favoriten bei der internationalen Informatikolympiade zählen. Den Mittwoch verbrachten wir gemeinsam mit südafrikanischen Schülern aus sozial benachteiligten Gebieten im Rahmen eines "International Day" genannten Projekts, das diesen Schülern Zugang zu neuester Computertechnologie ermöglichte.

Am Donnerstag folgte schließlich der zweite und alles entscheidende Teil des Wettbewerbs. Einige Lösungen schienen aber besser zu sein, als vom Scientific Comitee erwartet, was das Evaluierungsprogramm hoffnungslos verwirrte und die Auswertung um etliche Stunden verzögerte.

Als ich nun endlich an die Reihe kam, erhielt ich für ein Beispiel null Punkte, da ich eine uneindeutige Problemstellung gerade anders als das Evaluationsprogramm aufgefasst hatte. Eine Beschwerde durch unsere Teamleaders, die bei weitem nicht die einzige Beschwerde war, die an diesem Tag vorgebracht wurde, bewirkte schließlich, dass ich nachträglich noch 96 von 100 möglichen Punkten für dieses Beispiel zugesprochen bekam. Somit hatte ich insgesamt 444 von 600 Punkten erreicht, wesentlich weniger als voriges Jahr in Veszprem (Ungarn), wo ich mit dem 17. Platz gerade noch eine Goldmedaille errungen hatte. Unbestätigte Gerüchte, dass der beste russische Teilnehmer mit 462 auch keine wesentlich höhere Punktezahl erreicht habe, ließen wieder Hoffnung auf eine Goldmedaille aufkeimen. Aber das würde sich erst bei der Siegerehrung herausstellen.

Die Computer-Labs standen uns jedoch nicht nur für den Wettkampf zur Verfügung, sondern entwickelten sich auch zu einem der beliebtesten internationalen Treffpunkte (es war schließlich eine Informatikolympiade). Wenn wir nicht gerade die Möglichkeiten des Computernetz-werkes ausnutzten (E-Mail, Internet und gemeinsame Netzwerkspiele), befanden wir uns auf Exkursionen quer durch Kapstadt und Umgebung (Highlights: Tafelberg und Kap der Guten Hoffnung). Begleitet wurden wir dabei, wie auch bei fast allen anderen Aktivitäten, von unserem persönlichen Guide Peter Bester (gut-besser-Bester!!), einem südafrikanischen Studenten, der sich redlich bemühte, alle unsere Wünsche zu erfüllen.

Am Samstag war es so weit: Abschlussfest mit gemeinsamem Abendessen und Siegerehrung. Mit uns am Tisch der Österreicher saß auch der österreichische Generalkonsul in Kapstadt, der unserem Team die Daumen drückte. Die Preisträger wurden, beginnend mit den Gewinnern der Bronze-Medaillen, in kleinen Gruppen auf die Bühne gerufen, um dort die Medaillen entgegenzunehmen und zusammen mit dem Maskottchen der Olympiade, dem Gepard "Shadow", der lautstark schnurrte, fotografiert zu werden. Schließlich, nach langem Warten, wurden die "top ten", darunter auch ich (6. Platz), zur Verleihung der Goldmedaillen aufgerufen.

So fanden zehn abwechslungsreiche Tage für mich einen sehr erfreulichen Abschluss. Mit Spannung warte ich nun auf die nächste internationale Informatikolympiade Anfang September 1998 in Portugal.

bei der Abschlusszeremonie waren neben unseren Team-Leaders auch der Österreichische Botschafter in Südafrika mit Gemahlin anwesend und Wolfgang eroberte noch dazu eine Gold-Medaille